Trivalente oder quadrivalente Impfstoffe

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1 Monat 1 Woche her - 1 Monat 1 Woche her #31 von redaktion
redaktion antwortete auf das Thema: Trivalente oder quadrivalente Impfstoffe - Ergänzungen
Die vielen Nachfragen beanworten wir wie folgt:

Die STIKO präferiert keine Variante sondern verweist auf die WHO. Die WHO präferiert ebenso keine Variante http://www.who.int/influenza/vaccines/virus/recommendations/2017_18_north/en/(http://www.who.int/influenza/vaccines/virus/recommendations/2017_18_north/en/)

Quadrivalente impfstoffe auf dem Markt:
Neben Influsplit tetra gibt es auch noch Vaxigrip tetra (ab 3 Jahre)

Deutscher Ärztetag rügt GKV

Der 120. Deutsche Ärztetag, der vom 23. bis 26. Mai in Freiburg stattfand, sah sich daher genötigt, eine Entschließung zu verfassen, in deren Begründung ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass die Information der GKV-Verbände Sachsen-Anhalt der neuen Gesetzesregelung widerspricht. „Zu einem fairen und verlässlichen Umgang der Krankenkassen mit der Ärzteschaft gehört es, dass Informationen korrekt und vollständig sind. Wenn Krankenkassen über die gesetzliche Neuregelung informieren, müssen sie die Ärzte klar darüber unterrichten, dass Ärzte wieder die freie Therapiewahl haben und jeden Impfstoff uneingeschränkt zu Lasten der Krankenkassen verordnen können.“

Die Entschließung im Wortlaut: „Der 120. Deutsche Ärztetag 2017 fordert alle Beteiligten auf, die neue gesetzliche Regelung seit Inkrafttreten des Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetzes (AMVSG) sofort umzusetzen. Danach ist die Verordnung von Impfstoffen nicht mehr an Rabattverträge gekoppelt. Verträge zwischen Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) oder sonstigen ärztlich geleiteten Einrichtungen haben dem Rechnung zu tragen sowie diesbezüglich Krankenkasseninformationen an die Vertragsärzte. Die Laufzeit von bestehenden Rabattverträgen darf die neue gesetzliche Vorgabe nicht aushebeln.“

BMG gibt Ärztetag Recht

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat Ende Juni mit einer erneuten Klarstellung auf die Aussagen der Kostenträger zur Verordnung von Grippeimpfstoffen reagiert. Das Schreiben, das dem Impfbrief vorliegt, wurde u.a. an den GKV-Spitzenverband, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V. verschickt. In dem Schreiben wird insbesondere zwei Hauptaussagen der Krankenkassen widersprochen:

1. Exklusivität ist aufgehoben

Zitat: “Die Streichung bewirkt den Wegfall der exklusiven Versorgung durch die Impfstoffhersteller, mit denen die Krankenkassen Verträge geschlossen haben […] Aus dem Wegfall der Formulierung des § 132e Absatz 2 Satz 2 SGB V „die Versorgung der Versicherten [erfolgt] ausschließlich mit dem vereinbarten Wirkstoff“ folgt qua Gesetz der sofortige Wegfall der Exklusivität der Rabattverträge. Ein Fortbestand der Exklusivität der Rabattverträgen nach Streichung von § 132e Absatz 2 Satz 2 SGB V hätte einer ausdrücklichen gesetzlichen Regelung bedurft, eine solche existiert jedoch nicht.“

2. Wirtschaftlichkeit schränkt nicht auf Vertragsimpfstoff ein

Zitat: „Auch bei Beachtung der wirtschaftlichen Versorgung gemäß § 12 SGB V ist nicht allein auf den bisherigen Vertragsimpfstoff abzustellen.“

Mismatch im Rückblick

Da die vorgeschlagene Zusammensetzung der jährlichen Influenzaimpfstoffe letztendlich auf Wahrscheinlichkeiten beruht, kann es zu einem mehr oder weniger großen Mismatch kommen, wenn zum Beispiel Erreger zirkulieren, die im Impfstoff nicht enthalten sind. Es gibt bei den B-Komponenten zwar Kreuzprotektionen gegen nicht im Impfstoff enthaltene B-Stämme, jedoch fällt die Immunantwort hier meist schwächer aus. Die Entscheidung, ob in den einzelnen Regionen der WHO TIV oder QIV empfohlen werden, überlässt die WHO den Länderkommissionen. Studien zeigten, dass von 2001/2002 bis 2014/2015 29% der Influenzaerkrankungen durch B-Stämme verursacht und zu ca. 50% der falsche B-Stamm vorausgesagt wurde. Bezogen auf die gesamten Influenzainfektionsraten besteht ein durchschnittliches Mismatch von 15% (M. Postma, Arzt & Wirtschaft 12/2015, Seite 64)

Simulationsmodell 4Flu

Aufgrund komplexer saisonaler Faktoren sind „Real-life-Studien“ zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit unterschiedlicher Influenzaimpfstoffe nicht möglich. Mit Hilfe des von deutschen Wissenschaftlern entwickelten Tools 4Flu konnten komplexe mathematische Modelle für umfangreichen Simulationen erstellt werden, die Aufschluss über Kosten und Nutzen von trivalenten (TIV) und tetravalenten (QIV) Influenzaimpfstoffen geben ( www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4099094/ ) . Danach führt die höhere Risikoabdeckung für nicht vorhergesagte Influenza-B-Stämme durch QIV in Deutschland im Durchschnitt zu Nettoeinsparungen sowohl bei den GKV durch geringere Behandlungskosten, als auch bei der Gesellschaft durch geringeren Produktionsausfall. Für das Individuum kann die Gesellschaft durch die Anwendung von QIV eine Verbesserung der Lebensqualität aufgrund geringerer Infektionsraten und weniger Todesfällen bieten und zwar zu geringeren Nettokosten als bei der Anwendung von TIV.

Zusammenfassend kann man sagen:

- Simulationsmodelle mit 4Flu zeigen, dass der Einsatz von tetravalenten Impfstoffen wirtschaftlicher ist als der Einsatz von TIV.
- Höheren Impfstoffkosten von QIV werden durch geringere Behandlungs- und Produktionsausfallkosten kompensiert.
- Nettoausgaben für QUALYs „qualitätskorrigierte Lebensjahre“ sind bei der Verwendung von QIV niedriger als bei TIV, also kostengünstiger.
- Pro Jahr können nach der Modellrechnung zwischen 270.000 und 350.000 Krankheitsfälle und mehr als 200 Todesfälle vermieden werden, selbst unter der Annahme einer hohen Kreuzprotektion der TIV von 60%.

4Flu steht der Öffentlichkeit unter www.4flu.net zur Verfügung.

Quellen u.a. aus www.impfbrief.de
Letzte Änderung: 1 Monat 1 Woche her von redaktion.
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1 Monat 1 Woche her #30 von redaktion
redaktion erstellte das Thema Trivalente oder quadrivalente Impfstoffe
Kurz gesagt:

Die Impfung mit trivalentem Impfstoff ist die "Teilkaskoversicherung" die Impfung mit teravalentem Impfstoff die "Vollkaskoversicherung".

Mit Wegfall des Rabattgesetzes können wir Ärzte verordnen, was wir für indiziert halten. Das geht auch aus mehreren Stellungnahmen des BMG hervor. Zwar hat ein Landessozialgericht geurteilt, dass Kassen an die Rabattverträge mit Herstellern gebunden sind. Einige Kassen/KV-en wollen sich auf auf das Urteil des LSG berufen und uns Ärzte in die Pflicht nehmen.

Das ist m.E. nicht zulässig:

Die Entscheidung des LSG betrifft die Vertragslage zwischen den Parteien (Mylan und AOK Rheinland-Pfalz/ Saarland). Es wurde geurteilt, dass aufgrund des bestehenden Rabattvertrages die AOK keine weiteren Versorgungsverträge über Grippeimpfstoffe abschließen darf. Außerdem muss sich die AOK verpflichten, sämtliche Äußerungen zu unterlassen, die dem Rabattvertrag zuwiderlaufen und über dessen Fortbestehen und Gültigkeit informieren.

Ärzte und deren Verordnungsverhalten sowie KV-en waren nicht in das Verfahren einbezogen!

Die Therapiehoheit der Ärzteschaft ist demnach von dem LSG Urteil nicht unmittelbar berührt.
Die Therapiefreiheit ist den Ärzten mit Streichung der gesetzlichen Grundlage des § 132e Abs. 2 SGB V und mit Beendigung aller Rabattvereinbarungen über Impfstoffe unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit zurückgegeben worden. Gemäß der Erläuterung des Bundesgesundheitsministeriums vom 21. Juni 2017 ist damit die Verpflichtung entfallen, dass Ärzte regelhaft nur Rabattimpfstoffe für die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen einsetzen dürfen.

Der Arzt kann also ab sofort auf Basis von medizinischen und wirtschaftlichen Kriterien entscheiden, welchen Grippeimpfstoff er bei seinen Patienten einsetzen möchte.

Was ist wirschaftlich?

Voraussetzung für eine Vergleichbarkeit von Arzneimitteln und damit ihre Austauschbarkeit ist gemäß § 129 GB V ist, dass diese in Wirkstärke und Packungsgröße, Anwendungsgebiet und Darreichungsform identisch sind.

Bei den Rabattimpfstoffen handelt es sich ausschließlich um inaktivierte, trivalente Grippeimpfstoffe (TIV). Sollte der Arzt also TIV bei seinen Patienten einsetzen wollen, dann ist der Arzt verpflichtet, den Rabattimpfstoff zu verordnen, denn innerhalb der Gruppe derTIV sind die Rabattimpfstoffe als wirtschaftlich zu betrachten.

Für einen quadrivalenten Grippeimpfstoff (QIV) gilt diese Vergleichbarkeit nicht, da der Wirkstoff nicht identisch ist. QIV enthalten ein weiteres Antigen gegen einen zweiten Influenza B-Stamm.
Grundsätzlich müssen die Ärzte also wirtschaftlich handeln. Sie müssen und können selber entscheiden, welche Leistung für ihre Patienten aus medizinischer Sicht ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich ist.

Kommt ein Arzt zu dem Schluss, dass für seinen Patienten ein trivalenter Impfstoff ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich ist, dann ist die Verordnung des Rabattimpfstoffs vorzunehmen. Kommt der Arzt allerdings zu dem Schluss, dass ein tetravalenter Grippeimpfstoff auf Grund der breiteren Abdeckung medizinisch notwendig ist, dann kann der Arzt vom Rabattimpfstoff abweichen und die Krankenkasse muss den verordneten tetravalenten Impfstoff grundsätzlich erstatten.
Inwieweit eine zusätzliche B-Kompontente erforderlich wird, ist stets Spekulation denn ob ein Mismatch auftritt ist nicht sicher vorhersehbar. Von einem Mismatch spricht man dann, wenn die vorhergesagten Influenzastämme nicht mit den aufgetretenen Wildstämmen übereinstimmen. In der vorletzten Saison war das bei ca. 30% der B-Stämme der Fall. Insofern hatten die gegen Influenza geimpften Patienten keinen Schutz und erkrankten trotz einer Impfung oder verstraben.

Wirtschaftlichkeit anders definiert:

Man kann auch den höheren Preis eines QIV mit verminderten Krankheitskosten und geringeren Ausfallzeiten am Arbeitsplatz gegenrechnen. Hier zeigt sich nach mathematischen Modellen, dass trotz des höheren Impfstoffpreises ein Nutzen und damit "Wirtschaftlichkeit" anzunehmen ist. Hinzu kämen geringe Todesraten und eine Erhöhung der sog. "qualitätskorrigierten Lebensjahre".

Unterschied zwischen Privat und Kasse?

Eine Unterscheidung zw. Privatpatient und Kassenpatient ist nicht hinnehmbar. Allenfalls kann man die TIV oder QIV Auswahl nach dem Risiko treffen. Zum Beispiel würde ich allen Chronikern (Diabetes, Lunge, Herz und Immunsystem) sowie Schwangeren einen QIV anbieten.

Und eines sollten wir uns vorbehalten: Inwieweit wir uns dem hypokratischen Eid verpflichtet fühlen, von einem Patienten Krankheiten fern zu halten, können nur wir selber entscheiden und nicht GKV, KV-en oder Politiker.

 

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